Im Gespräch: GARY MASH und die graza mücke

Die graza mücke ist wiedermal für euch geflogen und diesmal bei GARY MASH gelandet. Zwei junge steirische Modelabelgründerinnen erzählen von ihrem Entschluss Kleidung bio, fair und vegan zu produzieren, ihrem Weg zum Erfolg, Postkarten und vielem mehr.

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die graza mücke: Für alle, die zum ersten Mal von GARY MASH hören, was ist GARY MASH und was macht es so besonders?

GARY MASH (Sarah): Also GARY MASH ist unser Modelabel, von  Maggy und von mir, Sarah. Uns gibt es seit zweieinhalb Jahren. Wir sind ein steirisches, faires, bio und nachhaltiges Label. Bei uns bekommt man Damen-, Herren-, Kinder- und Babybekleidung, aber auch ganz viele Accessoires, Taschen und Ohrschmuck.

GARY MASH (Maggy):Die werden in der Steiermark hergestellt.

GM(S): Genau, unsere Textilien werden Fair Trade und GOTS zertifiziert in Indien produziert und die Accessoires großteils in der Steiermark. Bei all unseren Produkten ist uns eine faire Herstellung am wichtigsten: weder Mensch, noch Umwelt, noch Tier sollen darunter leiden. Aus diesem Grund sind all unsere Produkte vegan, sie haben also keine Tierischen Bestandteile und es wurden keine Tests an Tieren für Farbstoffe, Klebstoffe, etc. durchgeführt.

dgm: Wie ist GARY MASH entstanden, wie seid ihr zu dem Entschluss gekommen  vegan, bio und fair zu produzieren?

GM(S): Nicht Fair zu produzieren war für uns nie ein Diskussionspunkt, das stand von Anfang an fest.  Wir haben uns dann noch näher mit dem Thema auseinandergesetzt und so auch für vegan entschieden.

GM(M): Dazu kommt natürlich auch, dass wir beide kein Fleisch gegessen haben.

GM(S): Schlussendlich hieß es „entweder ganz, oder gar nicht“. Wir wollen uns vegan ernähren, daher war es ein logischer Schluss das auch in der Mode fortzusetzt. Es wäre für uns unlogisch vegan zu sein und dann z.B. für Taschen mit Leder zu arbeiten.

dgm: Also ihr zwei steckt hinter GM?

GM(M): Ja genau. Wir hatten die Idee und haben GARY MASH gegründet.

dgm: Bei der Idee möchte ich einhaken. Ich habe mich ein wenig auf eurer Homepage umgesehen und bin zu folgender Erklärung gekommen, wie GM entstanden ist: „Mit einer Katze fing alles an, was dann kamen waren Ideen. Außergewöhnliche Ideen, mit denen wir dir eine Freude bereiten möchten. Und gemeinsam können wir einen Beitrag zu einer glücklicheren Welt leisten.“ Das bedarf einer genaueren Erklärung und was hat das mit einer Katze zu tun?

GM(S, lacht): Das sollten wir endlich ändern. Also, die Katze ist das Tier auf unserem Logo. Eine sehr abstrakte Katze, denn jeder sieht etwas anderes darin. Manche einen Wurm, manche einen Vogel, wir sind offen für alle Interpretationen.

GM(M): Die Katze hat es eigentlich schon immer gegeben, aber nicht als Logo. Das war irgendein Gekritzel von mir. Wir hatten auch noch keinen Namen, aber die Katze hat uns begleitet. Die Katze, die nicht aussieht wie eine Katze und gerade deswegen hat sie zu uns gehört.

GM(S): Ich habe dann das Logo entwickelt, weil ich eigentlich Grafikerin von Beruf bin. Als der Schriftzug GARY MASH fertig war, war klar: irgendwas fehlt da!

GM(M): Und so kam die Katze auf unser Logo.

GARY_MASH_LOGO

dgm: War es schon immer euer großer Traum einmal ein Modelabel zu gründen?

GM(S): Nein, das ist alles nach und nach entstanden. Der Ursprung lag bei Maggy. Sie wollte schon immer etwas Kreatives schaffen. Maggy wollte mit ihren Ideen nach draußen gehen und die Leute erreichen. Das Kreative war schon immer da, bei uns beiden. Das mit der Mode, mit den Textilien war die Antwort auf die  Überlegung, wie wir Maggys Malereien und unsere kreativen Ideen umsetzen könnten. Viel ist während unserer Überlegungen und Gespräche  einfach so passiert.

dgm: Ihr kennt euch also schon länger?

GM(S): Ja, wir haben uns ein paar Jahre davor kennengelernt.

GM(M): Und ich habe dann gesagt: „ Ma es wär so cool! Du bist Grafikerin, wie wär’s? Mach ma doch was!“

dgm: Maggy, wie war dein Weg zu GARY MASH? Welche Ausbildung hast du?

GM(M): Ich bin einmal skigesprungen, das sieht man nicht mehr (lacht). Aber es hat mich sehr lange begleitet. Ich habe mit sieben Jahren angefangen skizuspringen und mit zwanzig aufgehört. Ich war sogar in einem Tiroler Internat dafür. Danach hatte ich das Problem, dass ich nichts mehr gefunden habe, das eine solche Leidenschaft in mir geweckt hat wie Sport. Für mich war klar, dass ich etwas machen möchte, wo ich am Abend schlafen gehen kann und mich gut fühle. Ich wollte nie für einen riesen Konzern arbeiten. Ich habe viele Jobs gemacht. Ich war in Deutschland beim Naturschutzbund und habe alles Mögliche ausprobiert, aber nie das Richtige gefunden.

GM(S): Und dann hast du mich kennengelernt.

GM(M): Und alles ist gut geworden.

GM(S): Und du hast dir so gedacht: Hey eine Grafikerin.

GM(M): Ich muss dich ausnutzen. Nein, das ist natürlich nur ein Scherz (lacht).

dgm: Wie seid ihr zu dem Namen GARY MASH gekommen?

GM(S): Wir haben sehr lange überlegt. Wir wollten nichts was zu sehr auf der Hand liegt. Wir waren auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem.

GM(M): Aber uns ist nichts eingefallen.

GM(S): Also haben wir unsere Vornamen, also Maggy und Sarah, aufgeschrieben und  die Buchstaben verdreht. Herauskam GARY MASH, nur ein G und ein A haben wir weggelassen.

GM(M): Und das Tolle dran ist, dass keiner davon ausgeht, dass zwei Frauen dahinter stecken. Das ist oft witzig, aber dass das auch in Österreich so ist, ist ein bisschen schade.

dgm: Wie habt ihr die Aufgaben für GARY MASH verteilt? Designt ihr beide?

GM(S): Für die Designs sind wir beide zuständig. Mal hat Maggy eine coole Idee, dann habe ich eine. Ich würde nicht sagen, dass einer einen Schwerpunkt Design hat. Schlussendlich setzten wir uns immer zusammen und es wird gemeinsam diskutiert. Was bei uns aufgeteilt wird,  sind so langweilige Sachen, wie Buchhaltung, E-Mail Verkehr und Büroarbeit.

dgm: Wie habt ihr es geschafft bekannt zu werden, schließlich geht das nicht von einem Tag auf den anderen?

GM(M): Wir sind jedes Wochenende herumgefahren.

GM(S): Wir haben es uns anfangs leichter vorgestellt, mussten aber relativ bald einsehen, dass man viel raus muss. Messen sind extrem wichtig. Dort bekommt man die Möglichkeit sehr viele Leute zu erreichen, man kann seine Geschichte erzählen.

GM(M): Wir waren oft am selben Standort, denn viel passiert durch Mundpropaganda. Wir müssen ehrlich zugeben, wir waren am Anfang vom Glück geküsst. Zum Beispiel sind die Presse oder die Kleine Zeitung auf uns zugekommen, sie haben uns angerufen. Das war eine große Hilfe, um bekannter zu werden.

dgm: War es schwierig Shops zu finden, die  eure Kleidung für euch verkaufen?

GM(S): Geschäfte zu finden ist schon viel Arbeit. Man muss herumfahren, telefonieren, E-Mails schreiben. Geschäfte kommen nicht auf dich zu, da muss man selber aktiv werden.

dgm: Was waren eure größten Herausforderungen? Vielleicht das „Nicht-Aufgeben“?

GM(M): Das auf jeden Fall. Aber uns war von Anfang an klar, dass das kein normaler 40 oder 60 Stunden Job ist, sondern viel mehr dazu gehört. Man muss bereit sein alles zu geben.

GM(S): Das Nicht-Aufgeben ist der Punkt, woran vielleicht viele scheitern. Es gibt uns zweieinhalb Jahre, das ist keine lange Zeit. Aber gerade am Anfang gibt es so viele Momente, in denen du dir denkst, dass du dir das alles anders vorgestellt hast. Wir waren der festen Überzeugung nach einem Jahr in ganz Österreich bekannt zu sein. Man darf sich nicht unterkriegen lassen. GARY MASH ist unsere große Leidenschaft und wir würden deshalb nicht mal daran denken aufzugeben.

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…aus der Sommerkollektion 2016 :)

dgm: Ist es schwierig Firmen zu finden, die für euch fair und vegan produzieren und Bio-Stoffe zu bekommen?

GM(S): Das ist nicht so schwer. wir haben von Fair Trade Österreich Unterstützung bekommen, die haben uns geholfen einen Produzenten zu finden. Es gibt gar nicht so wenige Produzenten, die Fair Trade zertifiziert produzieren, vor allem in Indien.

GM(M): Wir waren auch für drei Wochen in Indien. Das war uns sehr wichtig. Wir wollten dabei sein, wenn unserer ersten Kollektion entsteht. Wir wollten uns vergewissern, ob wir dem Ganzen vertrauen können und das war echt super schön.

dgm: Was habt ihr für GARY MASH und für euch von der Reise mitgenommen?

GM(S): Ein Stück weit haben wir  Sicherheit mitgenommen. Wenn man vor dem Kunden steht, kann man genau sagen wo das Kleidungsstück produziert wurde. Ich habe die Näherinnen und Näher gesehen, ich kann mich transparent zeigen, es gibt keine undichte Stelle, wo man  etwas nicht weiß oder irgendetwas verschleiern will.

GM(M): Es wurde uns auch sehr viel Dankbarkeit mitgeschickt. Inder sind ein sehr stolzes Volk, immer voll happy. Ich war in so vielen armen Ländern aber Indien ist so anders.

dgm: Zurück zu eurer Kleidung. Welche Zielgruppe soll eure Mode ansprechen?

GM(S): Das haben wir schon ein wenig eingegrenzt. Unsere Kernzielgruppe ist 25 bis 35 Jahre alt. Das ist automatisch passiert, weil auch wir in dem Alter sind. Man macht Sachen, die einem selber gefallen. Für mich wäre es schwierig gewesen, Kleidung für die Generation  50+  zu designen.

dgm: Beim Durchstöbern eurer Website bin ich auf eine Rezension gestoßen. Jemand hat geschrieben, dass er etwas bei euch bestellt hat und mit dem Päckchen eine  persönliche Postkarte bekommen hat. Bekommt jeder eine Postkarte von euch?

GM(S): Das ist bei uns ab und zu Thema. Wir haben zwei Jahre lang in jedes einzelne Paket eine handgeschriebene Postkarte gelegt. Irgendwann war es zu viel. Es würde sich zeitlich nicht ausgehen. Deshalb streiten wir auch manchmal. Maggy würde es gern wieder machen, weil wir so viele coole Feedbacks bekommen haben.

dgm: Warum habt ihr überhaupt Postkarten geschrieben?

GM(S): Wir legen so viel Liebe in jedes Packerl. Gerade am Anfang freut man sich so über jede einzelne Bestellung. Wir wollten diese Freude teilen.

GM(M): Ich glaube wir haben nur gefühlt, nicht viel gedacht.

GM(S): Vielleich finden wir jemanden der die Postkarten für uns schreibt (lacht).

dgm: Was seht ihr bis jetzt als euren größten Erfolg?

GM(M): Dass es uns noch gibt und dass es uns gut geht.
Ich glaube der größte Erfolg hat gar nicht so viel mit Zahlen zu tun, sondern dass wir GARY MASH leben können und dass es immer cooler wird.

GM(S): Wir sehen dass GARY MASH Monat für Monat wächst und das ist für mich schon ein sehr großer Erfolg.

dgm: Euer Firmensitz befindet sich in Unzmarkt, aber wo kann man in Graz eure Mode kaufen?

GM (S): Bis jetzt gibt es uns nur im Weltladen. Außer die Baby Mode, die gibt’s auch beim Kastner und Öhler. Natürlich haben wir auch einen Online-shop.

dgm: Könnt ihr euch vorstellen euer eigenes Geschäft zu eröffnen?

GM (S): Da sind wir zwiegespalten. Es wär cool wenn es sich einmal ergeben würde,  aber ich bin ein Fan von Online-Shops und starken Vertriebspartnern. Dabei ist man immer flexibel. Aber wer weiß, vielleicht in der Zukunft irgendwann einmal.

 

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Die graza mücke bedankt sich vielmals bei Sarah und Maggy für die uns geschenkte Zeit und das Gespräch. Es hat uns unglaublich viel Spaß gemacht euch kennenlernen zu dürfen.

Für alle Mücken, die ihre Sommergarderobe noch aufstocken wollen, hier der Link zum Online-Shop:

garymash.com

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One thought on “Im Gespräch: GARY MASH und die graza mücke

  1. super frauen interviewen super frauen 😉 die grazer mücke und garymash sind 2 beeindruckende projekte! super, dass es euch gibt!!!! und schade, dass ich bei der modeschau im grazer literaturhaus nicht zum reden gekommen bin mit euch, das sollten wir bei gelegenheit nachholen! alles gute euch vieren!!! liebe grüße aus efairding ingrid gumpelmaier-Grandl / FAIRytale-Fashion

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