die mücke im Repair Café Graz

Die graza mücke startet ihre Reise! 1. Landeanflug: Bezirk Lend, durchs Kellerfenster in die Tiefen des Traumwerks. „Reparieren statt wegwerfen“ lautet hier die Devise und das mittlerweile seit drei Jahren! Denn im Keller des Gebäudes werden regelmäßig Repair Cafés veranstaltet. Höchste Zeit diese Idee in der stichfesten Zweiflüglerwelt bekannt zu machen! Die graza mücke hat sich für euch mit Initiator Andreas Höfler und Nachwuchsorganisator Valentin zum Gespräch getroffen.

© Repair Café Graz
© Repair Café Graz

die graza mücke: Zu Beginn, für alle Leser, die Euch noch nicht kennen: Was darf man sich unter einem Repair Café vorstellen?

Andreas: Das Repair Café ist eine Veranstaltung, zu der Leute defekte Geräte, etwas Liebgewonnenes, das nicht mehr funktioniert, mitbringen und Unterstützung beim Versuch diese in einer gemeinschaftlichen, gemütlichen Runde zu reparieren, bekommen.

mücke: Das Repair Café gibt es nicht nur in Österreich. Durch welche Beweggründe entstand die internationale Initiative des Repair Cafés?

Andreas: Die Initiative entstand in den Niederlanden aufgrund des Einsatzes der Journalistin Martine Postma. Sie hat 2009 das erste Repair Café ins Leben gerufen, weil sie es schade fand, dass so viele Sachen, die eigentlich nur durch Kleinigkeiten nicht mehr funktionieren, weggeworfen werden. Sie versuchte in ihrem Bezirk ein Repair Café, damals noch nicht unter diesem Namen, zu organisieren. Dort motivierte sie Leute ihr Können und ihr Reparaturwissen Anderen in ihrer Freizeit zur Verfügung zu stellen.

mücke: Wie lange dauerte es, bis die Bevölkerung das Angebot angenommen hat?

Andreas: Also soweit das dokumentiert ist, bzw. soweit es auf der Homepage von Frau Postma steht, ist das relativ schnell gegangen. Nach einem halben Jahr bekam die Reparaturwerkstatt den Namen Repair Café. Danach breitete sich das Konzept rasch über Mitteleuropa und den deutschsprachigen Raum aus.

mücke: Reden wir hier von ein paar Jahren oder Wochen? Nein, Wochen wären dann doch ein wenig zu schnell… (gemeinschaftliches Lachen)

Andreas: Nein, Wochen wären wirklich ein wenig schnell gewesen, das waren schon so zwei, drei Jahre. Dann fanden in Deutschland schon in vielen Gemeinden Repair Cafés statt.

mücke: Andreas, du bist der Initiator des Repair Cafés in Graz. Wie hast du die erste Zeit, also den Aufbau miterlebt?

Andreas: Mitte 2013 hat alles begonnen. Damals hatte ich große Unterstützung von Dietmar, der leider nicht mehr dabei ist, da er sich beruflich umorientiert hat und in die Schweiz gezogen ist.
Die ersten paar Repair Cafés haben wir gemeinsam organisiert. Das allererste Repair Café fand in relativ kleiner Runde statt. Es war an diesem Tisch (Zeigt auf den Tisch in unsrer Mitte). Wir waren zu viert, mit zwei, drei Gästen. Wir versuchten ein paar Dinge zu reparieren. Die nächste Veranstaltung war mit fünfzehn bis zwanzig Teilnehmern bereits besser besucht und wir mussten die Räumlichkeiten vergrößern. Aber wir hatten das Glück, über x-Ecken Mitglieder vom Traumwerk und Spektral kennenzulernen, die uns gleich anboten, ihre Infrastruktur zu nützen. Also Anlaufschwierigkeiten aufgrund der Räumlichkeiten gab es keine.

mücke: Wie ist die Initiative beworben worden? Wurde auch im Internet Werbung gemacht oder rein durch Mundpropaganda?

Andreas: Beides. Wir haben im April ein erstes Kick-Off Meeting abgehalten, das war ein oder zwei Wochen nach dem Barcamp. Dort haben wir die Idee zum ersten Mal vorgestellt und konkretisiert. Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Repair Café in Graz, um dort selbst mit zu reparieren.

mücke: Du hättest also gern mitgeholfen, da es aber kein Repair Café in Graz gab, da hast Du den Entschluss gefasst selbst eines zu gründen?

Andreas: Ja, Dietmar und ich haben beschlossen, wir probieren es einfach aus.

mücke: Aus welchen Gründen hast Du begonnen zu reparieren anstatt wegzuwerfen und sogar anderen dabei zu helfen?

Andreas: Meine ursprüngliche Motivation war ehrlichgesagt weniger auf Nachhaltigkeit bezogen, sondern beruhte auf meine Leidenschaft zum Basteln. Ich wollte gerne irgendwo mitmachen und mich mit anderen Leuten im technischen Bereich austauschen.

mücke: Wie finanziert sich das Repair Café?

Andreas:. Wir finanzieren uns durch Spende, die es mittlerweile gibt. Diese stammen meistens von Besuchern. Aber die Helfer arbeiten alle ehrenamtlich.

mücke: Werden auch die Ersatzteile durch Spenden finanziert? Es ist ja anzunehmen, dass recht viel Material verbaut wird?

Andreas: Eigentlich gar nicht so viel. Die meisten Geräte die wir reparieren sind nicht mehr funktionstüchtig, weil sie verdreckt sind oder weil etwas abgebrochen ist, das nur angeklebt werden muss. Also mit einer Klebertube oder einer Reinigung kann man schon sehr viel erreichen.

mücke: Zurück zur Organisation eines Repair Cafés: welche Schritte sind dafür notwendig, das ein Repair Café stattfinden kann?

Andreas: Wir haben inzwischen ein ausgeklügeltes System entwickelt: Es beginnt mit der Terminfestlegung, für den übernächsten Termin. Wenn der Termin fixiert ist, werden die Helfer angefragt, indem wir einen internen Newsletter ausschicken: Wer hat Zeit? Wer möchte uns unterstützen? Wer hat wieder Lust bei uns mit zu reparieren? Im nächsten Schritt wird der Termin der Öffentlichkeit bekannt gegeben und über unsere Kanäle (Facebook, Twitter,…) und den Newsletter ausgesandt. Freiwillige erledigen alles was so anfällt: Die Homepage betreuen, nachbestücken, eine Zusammenfassung der letzten Veranstaltung schreiben etc. Erinnerungen werden eine Woche und einen Tag vor dem Repair Café ausgeschickt. Am Freitag vor der Veranstaltung treffen sich ein paar Leute hier im Traumwerk und beginnen die Tische herzurichten, Kabel zu verlegen, vorzubereiten und wegzuräumen, damit sich die Leute auch in der Werkstatt bewegen können. Am Tag des Cafés wird um 8.00 Uhr das Buffet geliefert. Dieses bekommen wir netterweise von „Lebensmittel retten“ gesponsert, bereits seit dem zweiten oder dritten Repair Café.

mücke: Wie wird man Helfer bei Euch? Welche Voraussetzungen muss man mitbringen?

Andreas: Voraussetzung ist die Freude am Mitmachen und Basteln, also großartige Reparaturkenntnisse sind nicht notwendig. Seit einiger Zeit teilen wir die Helfer in zwei Kategorien ein: organisatorischen Helfer, die sich um die um die Besucher und das Buffet kümmern, und die technischen Helfer, die an den Tischen sitzen und bei der Reparatur helfen. Man muss also nicht löten und schrauben können, um bei uns mitzumachen.

mücke: Wie viele Köpfe stecken hinter einer Veranstaltung?

Andreas: Bei den letzten Veranstaltungen waren wir ungefähr 20 Leute.

© Repair Café Graz
© Repair Café Graz

mücke: Wie hat sich das Repair Café seit 2013 seit dem Anfang verändert?

Andreas: Verändert hat sich vor allem die Anzahl der Besucher. Beim Ersten waren wir, wie gesagt, zu viert mit ca. drei Gästen. Bei der letzten Veranstaltung waren es 112 Reparaturversuche. Leider lässt sich ja nicht jedes Gerät reparieren.

mücke: Warum kommen Eure Gäste mit ihren defekten Geräten zu Euch und kaufen sich nicht etwas Neues?

Andreas: Teilweise ist es der Nachhaltigkeitsgedanke, teilweise gibt es keinen Ersatz für das Produkt oder es handelt sich um ein liebgewonnenes Gerät, dessen Reparatur im Geschäft zu teuer wäre.

mücke: Inwiefern sind Eure Besucher an der Reparatur beteiligt?

Andreas: Im Idealfall reparieren wir zusammen. Natürlich kann nicht jeder immer mitmachen. Jemanden mit 10 Dioptrien bei einem Handy löten zu lassen ist nicht ganz so ideal (lacht). Aber wenn der Besucher oder die Besucherin mithilft ist das immer lustiger und besser. Wir wollen den Besuchern schließlich demonstrieren, dass viel Arbeit hinter den Reparaturen steckt und dass es Gründe gibt, warum diese beim Experten so teuer sind.

mücke: Wie hoch ist die Erfolgsrate der Reparaturen an den Geräten?

Andreas: Durchschnittlich verlassen 60 bis 70 Prozent der Geräte die Veranstaltung in einem besseren Zustand als sie gekommen sind. Das heißt nicht unbedingt dass sie vollständig repariert sind. Als Beispiel: Bei einem Radio wären sowohl CD Player als auch Kassettenrecorder defekt und wir können den CD Player wieder zum Laufen bringen. Trotzdem hat der Besitzer danach mehr Freude damit.

mücke: Welche Geräte landen auf Euren Reparaturtischen?

Andreas: Einen großen Anteil machen Unterhaltungselektronik und Kleinelektronik, wie Handys oder Diktiergeräte aus. Aber auch Küchengeräte, Gehstöcke, Brillen, Lampen oder Uhren werden reparieret. Seit einigen Repair Cafés findet man auch im textilen Bereich bei uns Unterstützung. Voraussetzung für einen Reparaturversuch ist aber, dass der Gegenstand von einer Person bequem zu transportieren ist.

mücke: Muss man sich voranmelden, wenn man zu Euch kommen möchte?

Andreas: Nein, aber eine Voranmeldung ist von Vorteil. Manchmal lassen sich Defekte schon im Vorfeld abklären. Heißt es zum Beispiel „Mein Computer spinnt“, wird zuerst abgeklärt, wo das Problem liegt. Das hilft uns, Ersatzteil zu besorgen oder uns besser vorzubereite. Wenn etwa das Display eines Handys gebrochen ist, schicken wir den Betroffenen beispielsweise bei Handybausteine vorbei, da gibt es Ersatz Displays zu kaufen und das wird dann im Repair Café eingebaut.

mücke: Wie soll es mit dem Repair Café weiter gehen? Gibt es Überlegungen es zu vergrößern?

Andreas: Innerhalb dieses Rahmens zu vergrößern ist kaum mehr möglich. Wir hatten vor drei Repair Cafés 80 Teilnehmer und waren relativ am Limit. Durch die Unterstützung organisatorischer Helfer verschafften wir uns wieder ein wenig Luft. Mit 80 Personen pro Veranstaltung ist es ganz gemütlich, mehr sollten es aber nicht werden. Doch vor zwei Repair Cafés landeten unerwartet 124 Geräte auf unseren Tischen.

mücke: Wäre es bei so großer Nachfrage nicht eine gute Idee die Frequenz zu erhöhen?

Andreas: Derzeit veranstalten wir alle zwei Monate ein Repair Café. Die Idee ist grundsätzlich da. Wenn genügend Helfer da wären, würden wir auch gerne die Frequenz erhöhen, aber im Moment ist für die Helfer der zwei Monats Rhythmus ideal. Derzeit bin ich noch der Hauptorganisator und ein Repair Café monatlich zu organisieren ist momentan nicht möglich. Ich bin aber gerade auf der Suche nach hauptorganisatorischer Unterstützung. Valentin hat sich jetzt dafür angeboten.

Valentin: Ich bin Student, ich habe genug Zeit.

Andreas: Genau und im Laufe der Zeit wird er die Repair Cafés organisieren.

mücke: Valentin was ist Deine Motivation Deine Freizeit ins Repair Café zu investieren?

Valentin: Ich bastle gerne. Ob ich hier bastle, oder zuhause ist auch egal. Außerdem habe ich öfters die Gelegenheit in einer tollen Werkstatt zu arbeiten. Einen Luftdruckkompressor und ähnliches kann ich mir für zu Hause nicht leisten bzw. hätte ich auch keinen Platz dafür. Außerdem bringen die Besucher ganz verschiedene Dinge. Würde ich zuhause nur meine eigenen Sachen repariere, wäre das immer wieder dasselbe. Das ist langweilig.

mücke: Andreas, reparierst Du selbst auch noch oder bist Du nur noch der organisatorische Part?

Andreas: Aus Eigeninteresse habe ich versucht auch selbst zu reparieren, wenn genügend organisatorische Helfer da waren. Leider wurde ich immer wieder unterbrochen. Deshalb haben wir für das letzte Repair Café beschlossen, dass es der Veranstaltung mehr bringt, wenn ich selbst nicht repariere, sondern für Rückfragen der Helfer zur Verfügung stehe und auf den Ablauf achte.

mücke: Unsere letzte Frage: für alle, die nun auf Reparaturhilfe hoffen: Wann findet das nächste Repair Café statt?

Andreas: Am 12. März von 10 bis 17 Uhr.

© Repair Café Graz
© Repair Café Graz

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Andreas und Valentin, die sich Zeit für die graza mücke genommen haben und ihr bereitwillig Rede und Antwort gestanden haben.

http://www.repaircafe-graz.at

13124 Total Views 9 Views Today

3 thoughts on “die mücke im Repair Café Graz

  1. Super Interview! 🔝👍
    Habe nicht gewusst, dass es so etwas gibt, ist aber eine tolle Sache! :)
    Macht weiter so!

    Liebe Grüße :)

  2. Wirklich perfekt in der heutzutage herrschenden Wegwerfgesellschaft finde ich es super das es die Repair Cafés gibt und ich hoffe auf eines in unserer Nähe. Lg

  3. whoa1h this blog is great i love reading your posts. Keep up the great work! You know, a lot of people are looking around for this information, you can aid them greatly.

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.